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Königsgrube

Ausstellung

Altenhilfezentrum

Röhlinghausen

Arbeitsweise auf Königsgrube im 19. Jahrhundert

Jedes Bergwerk gliedert sich grundsätzlich in zwei Bereiche: die Tagesanlagen - also alle Gebäude und Maschinen, die sich über der Erdoberfläche befinden - und die Grubenbauten, die unter Tage liegen. Zum unterirdischen Grubenbau gehören die Schächte, Querschläger, Strecken, Örter, gegliedert nach einzelnen Sohlen. Sie schließen die Flöze auf, in denen die Kohle lagert. Im Gegensatz zu den Tagesanlagen verändert sich der Grubenbau ständig: er wandert gewissermaßen der Kohle hinterher.
 

Der Grubenbau ist sozusagen eine Stadt unter der Stadt mit Straßen, Kreuzungen, Vierteln etc. Die unterirdischen Bauten der Königsgrube sind flächenmäßig pro Sohle größer als ganz Röhlinghausen. Zur Erklärung hier noch einmal der Unterschied zwischen Flöz, Sohle und Schacht. Ein Flöz ist ein Naturprodukt, eine kohleführende Schicht, deren Stärke im Ruhrgebiet meist zwischen 10 cm und 2 Metern liegt. Sohlen werden dagegen durch den Bergmann eingerichtet. Die Sohlen bilden sozusagen die einzelnen Etagen oder Stockwerke des Bergwerks. Und so wie die Räume eines Stockwerks in einem Gebäude durch einen Flur zugänglich sind, wird die Sohle durch gut ausgebaute waagerechte Förderstrecken - bergmännisch (Haupt)Querschläge genannt - erschlossen. Ausgehend von diesen Hauptförderstrecken zweigen die Abteilungsquerschläge, die Grundstrecken und Bremsberge ab. Die waagerechten Sohlen wurden untereinander durch senkrechte Schächte verbunden. Unter Tage gab es jede Menge Örter. Das Ort ist einfach das Ende einer Strecke. Daher gab es zwei Arten von Örtern unter Tage: das Füllort war der Raum unmittelbar am Schacht, sozusagen die Haltestelle für den Förderkorb, dort wurde die Kohle von der waagerechten Förderstrecke in den Förderkorb gebracht, um nach über Tage gezogen zu werden. Vor Ort war das andere Ende der Strecke, dort wo die Kohle gelöst und abgebaut wurde. Zwischen diesem Abbauort und dem Füllort, lagen auf Königsgrube zwischen 100 und 1500 Metern Entfernung, über die die Kohle transportiert werden mußte.

    
Bremsberg mit einem luftdruckbetriebenen Haspel (=Seilwinde). Links brinkt ein Schlepper einen beladenen Förderwagen.     
Die wichtigsten Werkzeuge zum Abbau waren im 19. Jahrhundert der Handbohrer zum Bohren der Sprenglöcher, die Keilhaue zum Lösen der Kohle und die Schaufel zum Beladen der Loren. Nicht nur der eigentliche Abbau vor Ort geschah in Handarbeit; auch der Transport der Kohle unter Tage vom Abbauort zum Füllort am Schacht wurde durch die Muskelarbeit der Schlepper und der rund 30-50 Pferde bewerkstelligt. Die hereingebrochene Kohle wurde in Förderwagen, auch Loren genannt, geladen. Der Schlepper schob den Wagen vom Abbauort über eine Strecke von meist 100 oder 200 Metern bis zum sogenannten Bremsberg. Danach trug der Bremsbergweg in Röhlinghausen seinen Namen, der 1974 in Haspelweg umbenannt wurde. Die Haspel ist die Seilwinde, die im Bremsberg zum Einsatz kommt. Der Bremsberg war eine Art schräg liegender Aufzug, dessen Neigung sich nach dem Gefälle des Flözes richtete.

Der Bremsberg wurde zweigleisig angelegt: er funktionierte dann ähnlich wie ein Skilift. Ein endloses Seil lief um zwei Seilscheiben jeweils am oberen und unteren Ende der Bremsbergstrecke. Oben wurde die beladene Lore am Seil angehängt oder in einem speziellen Bremsbergkorb geschoben; durch ihr eigenes Gewicht fuhr sie durch Seil und Schiene geführt den Bremsbergweg herab zum Hauptquerschlag. Im wörtlichen Sinne im Gegenzug zog sie an dem Seil, an dem sie selbst hing, eine leere Lore den Berg hoch. Vom Schlepper wurde der Leerwagen dann zum Abbauort gebracht, dort gefüllt, und dann begann das Spiel von vorn. Auf den Querschlägen oder den Hauptförderstrecken wurden mehrere Loren (8 bis 12 Stück) zu kleinen Zügen zusammengestellt und dann von Pferden zum Füllort gezogen.

Pi mal Daumen brauchte eine Zeche für jede Tonne Kohle, die täglich gefördert wurde, eine Lore. Denn am Füllort war die Reise der Lore nicht zu Ende: Hier wurde sie in den Förderkorb geschoben, damit zu Tage zur sogenannten Hängebank - das ist der übertägige Ausgang des Förderschachtes - gezogen und dann in die Verladung, wo ihr Inhalt meist direkt in Eisenbahnwaggons gekippt wurde. Solch eine Reise konnte leicht ein bis zwei Stunden dauern, und danach mußte der gleiche Weg wieder zurück zum Abbauort angetreten werden.

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